Nauticus was a bitch.

October 10, 2011

Endlich ist es soweit – das Musikvideo zum Song “Nauticus (feat. Simon Huw Jones)” ist da. Ich freue mich riesig!

Wie es entstanden ist wollt ihr wissen? Wie es dazu kam? Naja, ganz einfach, eigentlich. Ich hab den besten Regisseur der Welt gefunden, den besten Kameramann, die beste Visagistin und das beste MithelferInnen-Team. Easy oder?

So:

Lena schreibt eine Story für das Video. Whisky hilft. Glenlivet diesmal.
Simon findet sie gut. Die Story.
Simon hat noch viele tolle Ideen dazu. Und auch neue.
Lena findet die gut.
Simon und Lena sind euphorisiert von ihren eigenen Ideen.
Simon und Lena filettieren ihre Ideen.
Sie beschliessen: Das Video wird gut.
Simon macht Ausflüge in Wälder, Keller, und Schwimmbäder, Brockis, Kleiderläden.
Er macht Fotos.
Simon und Lena klettern bei Wind und Wetter durch Dornen, Gebüsche, durch Keller und Luken, durch Zara und H&M. Machen Fotos, machen Test-Videos.
Simon findet Leute, die mitmachen wollen bei der Schnapsidee. Also, Whiskyidee, um genau zu sein.
Er findet gute Leute. Die besten.
Er findet eine Badewanne. Lena eine Pferdemaske. “Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen viel Spass bei Ihrem Anlass”. Danke, werden wir haben. Ready to go.

Tag 1: Wir gehen baden.

Ich lerne , wie man schön schwimmt. Wie man tiefer taucht. Man lässt Luft aus den Lungen, so gibt’s Blöterli unter Wasser. Wie ich am besten ins Wasser springe. Vorwärts, rückwärts, Spiessli, flach, tief. Ich stell mich immer wieder in die Schlange der wartenden Kinder vor dem Einmeterbrett. Sie schreien “Papiiii schau!”. Ich schreie “Siiiimon, schau!”

Die beiden Taucher André und Philipp hängen schwarze Abdeckplanen im Sprungturmbereich auf. Den haben wir nun für uns. Kein Geschrei mehr. Keine Goofen mehr. Simon und Tobi, der Kameramann tauchen ab. Ich springe. Sie filmen. Bis tief in die Nacht hinein.

Tag 2: Keller.

Ich bin krank. Halsweh, Gliederschmerzen. Kopfweh. Ich finde Irfen 600. Hab ich noch von damals, als sie mir den Zeh aufgeschnipselt haben. Eins. Zwei. Drei. Ich fliege. Weh tut’s jetzt mindestens nicht mehr.

Nadja, die Visagistin schminkt mein bleiches Gesicht. Das Video soll schliesslich nicht grusliger werden als es schon ist. Ein Hoch auf Nadja. Simon trimmt das Schweineherz vom Schlachthof. Behält ein wenig Blut im Plastikbeutel, es soll ja frisch aussehen. Wir füllen die Badewanne mit Wasser. Es ist eiskalt und rostrot. Das Wasser läuft unten raus, wir überfluten den Keller. Das Abdicht-Tape kommt zum ersten Einsatz. Bei halb voller Badewanne bemerkt Nadja eine tote Maus im Hals der Giesskanne, mit der wir mühevoll die Badewanne gefüllt habe. “Ah guck mal, das Beinchen. Und hier ein Stück Fell. Und der halbe Schwanz, süüüss.” Gut. Bei dem Rostwasser kommt’s auch nicht mehr drauf an. Wir füllen die Wanne fertig auf. Augen zu und rein.

Derweil zieht sich Antoine die Pferdemaske über und spielt unter akuter Atemnot Schlagzeug. In meinem Medikamentendusel kommt mir alles noch absurder vor. Ein Pferd das Schlagzeug spielt. So geil.

Immer wieder muss ich raus aus der Badewanne, es ist zu kalt für lange Takes. Nadja föhnt mich mit dem Haartrockner, damit ich nicht erfriere im nasskalten Kleid. Tobi und Simon wickeln mich in Tücher ein. Irgendwann sind wir fertig, Simon sagt nur noch “Lena, ich glaube du musst nun ganz, ganz schnell nach Hause ins Bett”. Yes, I will.

Tag 3: Wald. Easy. Dachte ich.

Gesunder bin ich nicht geworden im kalten Keller. Aber die Pharmaindustrie rettet mich auch am zweiten Tag. Im Wald angekommen, renne ich barfuss über Stock und Stein, das Schweineherz blutet noch ein wenig aus den Venen. Bloss keinen Fleck machen auf meinem weissen Kleid. Nico und Peter nutzen das warme Sonnenlicht, um mich und das Herz zu beleuchten. Der Förster kommt in dem Augenblick, wo wir dem Herz ein Mossbett gebastelt haben, Simon es mit dem restlichen Blut beträufelte und es in seiner Blösse daliegt. Wieso genau er wieder abzog, wissen wir bis heute nicht.

Am Abend brechen wir nochmals in den Wald auf. Ich renne barfuss auf der Asphaltstrasse. Irgendwann bemerke ich Blut an meinen Füssen. Aha, darum tut es weh: Dutzende von blutigen Blasen zieren meine Füsse, eine davon ist aufgeplatzt. Das Abdicht-Tape kommt zu seinem zweiten Einsatz: Tobi und Simon basteln mir daraus ein Pflaster. Ich renne weiter. Ein paar Minuten später fährt uns die Polizei entgegen. Wir befinden uns im Fahrverbot. In der Wasserschutzzone. Ausserdem haben wir die Nummer auf dem Auto abgeklebt, damit sie nicht mitgefilmt wird. Wir sind geliefert.

“2000 Franken macht dies bitteschön”.

Simon hält seinen Kopf hin. “Wir machen ein Video. Wir sind hier im Wald um niemanden zu stören in der Nacht”.

“Ach, sie sind mit zwei Autos da, sehe ich? Dann sind es 4000.”

Ich stehe mit meinem weissen Kleid und meinen blutigen Füssen zwischen den beiden Autos und der Polizei. Sie mustern mich. Jaja, ich muss so aussehen. Für das Video, weisch.

“Und, wieso haben sie die Nummer abgeklebt?”

Peter ruft aus dem Kofferraum des Pick-Ups raus: “Ja, ist doch klar, es ist eine Zürcher Nummer!”

Der Polizist am Steuer lacht los und sie ziehen ab. Bis dahin wusste ich nicht, dass man die Polizei mit plumpem Lokalpatriotismus loswerden kann. Nundenn. Ich werd’s mir merken.

Tag 4: Fertig.

Seit gestern kann ich kaum gehen wegen meinen Blasen. Die sollen mich noch eine Woche lang begleiten. Simon braucht Ewigkeiten, um all das Wasser im Keller wegzukriegen. Und ich kann ihm nicht mal helfen ohne Füsse. Fazit? Drei der inspirierendsten Tage meines Lena-Daseins. Und viele Stunden Video-Material, aus dem dank Simons und Tobis Feingespür ein Musikvideo entsteht, mit dem wir alle überglücklich sind. Ja, es hat sich gelohnt. Auch wenn ich seither ab und zu von rachsüchtigen Schweineherzen träume, die die Weltherrschaft an sich reissen.

 

New record, Seeker EP,
out now.


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About

(English version will follow soon, until then, Google Translate is your friend, #yolo)

«Ich suche die Auseinandersetzung. Mit mir selbst und meinen Geschichten. Mit anderen und ihren Geschichten. Und mit den Erfahrungen die entstehen, wenn sich diese Geschichten verbinden». So beschreibt Lena Fennell den Impuls für ihr neues Werk. «Seeker steht für Suchende. Seeker bin ich. Und viele der Menschen, die mir nahe stehen – wir alle sind Seeker.»

Wir suchen, finden und suchen immer wieder – dasselbe oder etwas ganz anderes. Lena selbst empfindet diese Suchbewegung nicht als Belastung, sondern als extrem produktiv: «Sie gibt mir die Gewissheit, dass ich lebendig bin.»

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  • Lena
  • Jan
  • Sarah
  • Luca

Discography

Lena Fennell’s debut record Nauticus excels with its many facets, wild post-pop sounds and its high energy. Feels like a wave washing the listener into a mystical world.

– Sarah Elena Schwarzmann, Berner Zeitung

Lena Fennell has managed to write a catchy song while avoiding the common clichés in pop music. An earworm you'll happily keep in your ears.

– Peter Walt, Radio SRF3